Ein „Nichtsemester“? Konsequenzen der Corona-Krise für Forschung und Lehre im Sommersemester 2020 und darüber hinaus.

Die Diskussionen im unter_bau darüber, wie das kommende Semester angesichts der außergewöhnlichen Situation gestaltet werden sollte, laufen heiß. Während die Hochschulrektorenkonferenz in einer Pressemitteilung die „Aufrechterhaltung des Wissenschaftsbetriebs“ in den Fokus stellt und betont, dass das kommende Sommersemester „kein verschenktes Semester“ sein dürfe, gibt es längst eine starke bundesweite Initiative von Forschenden und Lehrenden, die ein „Nichtsemester“ fordern. Der Präsident der FU Berlin bringt das Label „Kreativsemester“ ins Spiel und fasst darunter die Fortsetzung des neoliberalen Umbaus von Hochschulen. Das Präsidium der Goethe-Universität hält sich bisher noch mit „Ideen“ für die Gestaltung des Sommersemesters glücklicherweise zurück, doch ist anzunehmen, dass auch die GU die Chance nicht verpassen wird, nun die Turbo-Digitalisierung der Lehre und den weiteren Rückbau von demokratischen Prozessen und arbeitsrechtlichen Standards zu organisieren.

Was bereits feststeht: Alle Entscheidungen über die Gestaltung des kommenden Sommersemesters werden für die Universitätsangestellten, Studierenden und extern Beschäftigten schwerwiegende Konsequenzen haben. Und genau deren Interessen müssen in Diskussionen und Entscheidungen über die Zukunft der Universitäten im Fokus stehen. Es ist nichts Neues: Die Befristungspolitik in der Wissenschaft, das Outsourcing von universitätssystemrelevanten Arbeiten und die Verschulung des Studiums sind eine Katastrophe. Das zeigen all die Probleme und existentiellen Ängste, von denen viele Universitätsangehörige und extern Beschäftigte im Zuge der Corona-Krise nun umso mehr geplagt werden. Was das kommende Sommersemester werden sollte? Ein Semester, in dem Arbeitsrechte gestärkt werden, Zeit und Muße für gute Forschung gegeben sind, in dem gelernt, verstanden, gefragt, weitergedacht wird, in dem alle Sicherheit und Freiheit durch ernstgemeinte Solidarität erfahren. Was das konkret für Prüfungsfragen, die Vorbereitung und Durchführung von Lehrveranstaltungen, die Administration, befristete oder outgesourcte Arbeitsverhältnisse, Finanzierung von Forschung, kurz: den gesamten Hochschul-Alltag bedeutet, wird an vielen Orten diskutiert – so auch im unter_bau.

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