Stell dir vor, an der Uni sind Tarifverhandlungen und keiner weiß davon…

Wir dokumentieren an dieser Stelle den Inhalt eines Flugblattes, das der unter_bau im Kontext der diesjährigen Tarifverhandlungen verteilt hat:

… und das, obwohl seit Jahren die prekären Beschäftigungsverhältnisse an den deutschen Hochschulen bemängelt werden und sich fast alle Kommentare einig sind: Die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen macht eine sinnvolle Forschung, gute Lehre und funktionierende Verwaltung nahezu unmöglich. Zwar werden die Rufe danach lauter, diese Probleme endlich anzugehen. Aber die meisten Hochschulangehörigen, auch an der Goethe-Uni, stehen diesen Entwicklungen weiterhin vereinzelt und passiv gegenüber. Scheinbar generöse Selbstverpflichtungen des Präsidiums bezüglich der Arbeitsbedingungen bleiben wirkungslos. Sie sind ein Versuch, die Angestellten auf unverbindliche Weise zu integrieren sowie Tarifverträge und Gewerkschaften als überflüssig erscheinen zu lassen. Ritualisierte und öffentlich kaum bekannte Tarifverhandlungen kommen dieser Logik eher entgegen.

Den unter_bau organisieren

Um diese Situation kräftig aufzuwühlen, haben wir uns vor zwei Monaten als Basisgewerkschaft unter_bau gegründet. Wir sind der Ansicht, dass wir Angehörige der Universität eine neue Gewerkschaftspolitik brauchen, die Verbesserungen im Alltag durchsetzt und gleichzeitig eine Strategie für eine langfristige Transformation der Hochschule bietet. Durch eine breite betriebliche Organisierung wollen wir Fortschritte für alle Statusgruppen und externe Beschäftigte erreichen. Auseinandersetzungen dieser Gruppen werden im unter_bau solidarisch zusammengeführt. Durch eine innovative Tarifpolitik soll konkret erfahrbar werden, dass wir unsere Arbeitsbedingungen kollektiv verändern können, statt uns bloß an von außen verordnete Zwänge anzupassen und einzelkämpferisch oder als Beutegemeinschaften miteinander zu konkurrieren. Aber dafür brauchen wir Euch! Denn nur gemeinsam können wir wirklich etwas verändern.

Die Kolleg_innen unterstützen!

Seit Montag, dem 6. Februar wird die tarifliche Zukunft von wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen und administrativ-technischen Mitarbeiter_innen (ATMs) verhandelt. Als junge Gewerkschaft im Aufbau erklären wir uns in diesen Tarifverhandlungen und Streiks solidarisch mit unseren Kollge_innen der GEW und ver.di. Sobald wir als Organisation sattelfest genug sind, werden auch wir als Tarifpartei ins Geschehen eingreifen. Dabei planen wir nicht nur Verbesserungen beim Stammpersonal zu erzielen, sondern auch einige bisher vernachlässigte Bereiche zu verändern: Wir wollen endlich einen Tarifvertrag für Hilfskräfte! Ebenso wichtig sind die Interessen außertariflich prekär Arbeitender, wie der Lehrbeauftragten oder des extern beschäftigten Reinigungs- und Sicherheitspersonals. Und auch den Misstand, dass Mediziner_innen sich in ihrem praktischen Jahr zu Dumping-Löhnen verkaufen müssen, werden wir ändern.

Es geht um mehr als Lohngefeilsche

Bei Tarifpolitik geht es uns aber nicht bloß um kleine Gehaltserhöhungen. Wichtig sind strukturelle Veränderungen, durch welche grundlegende Probleme angegangen werden. Unsere Forderungen von heute sollen ein Fundament für diese kommenden Veränderungen schaffen. Als basisdemokratische Gewerkschaft stellt der unter_bau sich auf, um bisherige Errungenschaften effektiv zu verteidigen und perspektivisch die feudalen Verhältnisse umzugraben.

Werdet auch ihr aktiv, wühlt die Uni vom unter_bau her auf!

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