Rain on Your Parade: Zwischenruf zum Sommerfest der Goethe-Uni

Freitag • 30. Juni 2016 • 15.00 bis 21.00 Uhr | unter_bau beim Gegensommergarten | Random White House auf dem Campus Westend

Unter dem Motto “Sommer. Campus. Fiesta” veranstaltet die Goethe-Universität am 31. Juni 2016 ein “deutsch-mexikanisches” Sommerfest. Der unter_bau wird auch auf dem Campus präsent sein, allerdings beim Gegensommergarten des Random White House, der an diesem Tag von unserer Gewerkschaftsinitiative organisiert wird. Damit machen wir zwar unsere eigenes Sommerfest, kommen aber nicht umhin, ein paar nörgelnde Töne an die “Konkurrenzveranstaltung” zu schicken. In Zusammenarbeit mit dem Institut für postkoloniale Studien hat unser Aktionskomitee einen Text erstellt, der aufzeigt zeigt, dass man die Festveranstaltung der Universität auch kritisch sehen kann, ja sollte.

Betont wird bei dem Fest die “deutsch-mexikanische Freundschaft” – was bedeutet das?

Diese Freundschaft ist vor allem durch wirtschaftliche Interessen bestimmt. Der wesentliche Austausch zwischenden beiden Ländern besteht, neben einzelnen Fußballspielen, im regen Verkauf von Waffen. Mexiko, die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas, ist für Deutschland, den drittgrößten Waffenexporteur auf der Welt, ein lukrativer Absatzmarkt. Allein im Jahr 2014 wurden sogenannte unterkalibrige Übungsschießgeräte und unterkalibrige Patronen im Wert von über 4,8 Mio. Euro nach Mexiko ausgeführt. Das sind vor allem Gewehre des Typus G36. Daraus ergibt sich ein satter Gewinn vor allem für Rüstungsunternehmen wie Heckler & Koch. Der Verkauf ist dabei offiziell nur in die Bundesstaaten erlaubt, die weniger von den teilweise bürgerkriegsähnlichen Zuständen beherrscht sind. Eine Kontrolle über den Endverbleib ist jedoch schwierig und ein Großteil der Waffen taucht immer wieder bei Gefechten in den vier mexikanischen Provinzen Guerrero, Jalisco, Chiapas und Chihuahua auf, für die ein offizielles Exportverbot herrscht. Trotzdem wurden im September 2014 in Guerrero in der Universitätsstadt Ayotzinapa beispielsweise Studierendenproteste mit brutaler Gewalt von der Polizei mit diesen Waffen niedergeschlagen. Sechs Menschen wurden erschossen und 43 entführt. Sie sollen an ein Drogenkartell übergeben und ermordet worden sein. Dies ist kein Einzelfall, auch gegen protestierende Lehrer*innengewerkschaften und andere politische Gruppierungen wird derzeit wieder mit massiver Gewalt vorgegangen. Wegen des Vorwurfs des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontroll- und Außenwirtschaftsgesetz sind inzwischen auch mehrere Führungskräfte von Heckler & Koch vor einem deutschen Gericht angeklagt. Gleichzeitig ist aber klar, dass diese Geschäfte nicht ohne das Wissen und die Zustimmung verschiedener staatlicher Behörden vonstatten gehen konnten.

Die Ausblendung der postkolonialen Realität blinde Flecken in Wissenschaft und Ökonomie

KastenDie hier geschilderten Probleme sind im heutigen Wirtschaftssystem strukturell angelegt. Eine moralische Kritik an einzelnen Rüstungsunternehmen greift zu kurz. In dieser Interessenkonstellation ist es klar, dass moralische Appelle an die Politik wirkungslos bleiben. Deshalb ist eine gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung mit kapitalistischen Strukturen und ihren Auswirkungen im internationalen System notwendig. Genau hier müsste wissenschaftliche Forschung ansetzen. Die Universität ignoriert diese Realität aber nicht nur heute am Sommerfest, sondern lässt auch sonst wenig Raum für kritische Lehre und Forschung. Konkret wurde zum Beispiel ein Lehrstuhl für postkoloniale Studien nicht mehr weiter finanziert. Damit fällt auch das einmalige Frankfurt Research Center for Postcolonial Studies weg, das in seiner Forschung exotisierende Diskurse (siehe Kasten) und die dahinter stehenden internationalen Herrschaftsverhältnisse thematisiert und sichtbar macht.

Wir wünschen den Teilnehmer_innen des Fests dennoch einen entspannten und schönen Abend. Oder schaut doch mal rüber ins Random White House (das kleine Haus im Schatten des PA-Gebäudes)! Da gibt es kühles, bezahlbares Bier, leckere Waffeln und gute Musik – organisiert vom unter_bau, einer Initiative für eine alternative Hochschulgewerkschaft in Frankfurt. Wer sich inhaltlich mit Wissenschaftskritik und den Strukturen der Universität beschäftigen und sich für eine andere Praxis einsetzten will, kann dort auch mehr erfahren ebenso wie man sich gewerkschaftlich bei uns engagieren kann.