Pressemitteilung: Alternative Hochschulgewerkschaft für Frankfurt in Gründung

Gewerkschaftsinitiative unter_bau startet Organisierungprozess an der Goethe-Universität:

Heute geht die Gewerkschaftsinitiative unter_bau erstmals an die Öffentlichkeit. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss rund 50 Hochschulangehöriger aus unterschiedlichen Statusgruppen, die seit knapp einem Jahr den Aufbau einer alternativen Gewerkschaft für den Frankfurter Hochschulbereich vorbereiten. Die angestrebte Gewerkschaft soll alle Angestellten- und Statusgruppen der Universität umfassen und nach partizipatorischen und föderalen Prinzipien funktionieren. Insbesondere will die Initiative die Organisation nicht auf die klassischen Gewerkschaftsfelder beschränken, sondern darüber hinaus (hochschul-)politisch auf die allgemeine Verfasstheit der Universität Einfluss nehmen. Als perspektivisches Ziel benennt die Initiative eine grundlegende Transformation der Hochschule in eine basisdemokratische Selbstverwaltung.

„Wer Arbeitsverhältnisse, Studienbedingungen und die gesellschaftliche Funktion der Hochschule insgesamt verändern möchte, der muss auch die Strukturen aufwühlen, die dem zugrunde liegen“, erklärt Anna Yeliz Schentke, Pressesprecherin der Initiative. „Für uns heißt das, in alltäglichen Auseinandersetzungen neue Bildungspraktiken, Arbeitsbeziehungen und Entscheidungsstrukturen zu etablieren, die an die Stelle der alten Hochschulordnung treten können“, ergänzt Manuel Müller, ebenfalls Pressesprecher der Initiative. „Aufgrund dieser Zusammenführung von Gewerkschaftsarbeit und Hochschulpolitik sprechen wir von einer Gewerkschaft anderen Typs“, so Müller weiter.

Im vorläufigen Programm der Initiative werden zahlreiche Missstände benannt, die die Gewerkschaft kurz- und mittelfristig überwinden möchte. Dazu zählt etwa das Outsourcing verschiedener Dienstleistungen und Angestellter, eine fehlende tarifliche Absicherung der Hilfskräfte, die Prekarisierung des wissenschaftlichen Personals durch ständige Befristung sowie die Geschlechterhierarchien in allen Bereichen. Langfristig ist das Ziel eine umfassende Demokratisierung der Hochschule, die die Initiative gegenwärtig als „Ständesystem“ bezeichnet. „Uns schwebt eine sozial ausgerichtete Hochschule vor, in der die Angehörigen aller Statusgruppen gleichberechtigt sind, die offen nach außen ist und mehr Raum für kritische Forschung und Lehre bietet“, so Schentke.

Für das Ende des laufenden Semesters hat die Initiative einen Gründungskongress für die Gewerkschaft anvisiert. Bis dahin will sie den Organisierungsgrad soweit vorantreiben, dass sie effektiv in die Tarif- und Hochschulpolitik eingreifen kann. „Angesichts des großen Zulaufs an Interessierten, den wir jetzt schon haben“, schätzt Müller, „sind wir zuversichtlich, dass der unter_bau schon bald nicht mehr aus der Goethe-Universität wegzudenken sein wird“.

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